Modefotografie – Zwischen Kunst und Kommerz

Kunstvoll, kreativ, bunt, provokant. So wie die Modewelt ist auch die Modefotografie vielfältig und erfindet sich immer wieder neu. Blickt man auf die letzten 100 Jahre zurück, kann man eine erstaunliche Entwicklung der Modefotografie feststellen. Permanente Veränderung und Erneuerung macht das Thema Modefotografie zu einem spannenden Bereich der Fotografie.

Die Anfänge

Ende der 1920er Jahre wuchs, trotz einer großen Arbeitslosigkeit, vor allem in den Metropolen Deutschlands langsam eine Schicht heran, die es sich wieder leisten konnte, Geld für Mode auszugeben. Modefotografien nahmen langsam in deutschen Zeitschriften einen immer größeren Platz ein.

Modefotografie Die Anfänge 1920

Die Modefotografie hatte ihre Anfänge schon in den 1920er Jahren. (c) bagal / pixelio.de

In den 1920er und 1930er Jahren führten insbesondere die Vogue und Harper`s Bazaar die Modefotografie zu einer angesehenen Kunstform. Ein wichtiger Fotograf dieser Zeit war der Amerikaner, Edward Steichen, der für die Vogue und Vanity Fair arbeitete und später Direktor der Fotoabteilung des New Yorker Museum of Modern Art (MoMa) wurde.


Einer der bekannten Fotografen dieser Zeit war George Hoyningen-Huene. Er war anfangs Modezeichner für Harper`s Bazaar und avancierte 1925 zum Cheffotografen der französischen Vogue. Der amerikanische Fotograf mit deutschen Wurzeln, Horst P. Horst schaffte seinen Durchbruch mit der ersten britischen Vogue-Ausgabe am 30. März 1932. Der britische Fotograf, Bühnenbildner und Grafiker Cecil Beaton war in den 1930er Jahren in den USA für Harper`s Bazaar und Vogue tätig. Bekannt wurde er durch seine aufwändig in Szene gesetzten Moedeaufnahmen.

In Deutschland war die deutsche Fotografin Yva in den 30er Jahren eine gefragte Modefotografin. Sie etablierte in Berlin erfolgreich ihr Studio, in dem unter anderen auch Helmut Newton seine Lehrlingsausbildung durchführte.

Modefotografie zur Zeit des Zweiten Weltkrieges

Der Zweite Weltkrieg unterbrach die Modebegeisterung der 1920er und 1930er Jahre. Die meisten Modefotografen verlagerten ihren Arbeitsschwerpunkt in die USA. Hier konkurrierten die beiden wichtigsten Mode-Magazine Vogue und Harper`s Bazaar um den Markt. In dieser Zeit löste sich die Modefotografie aber auch aus ihren starren Positionen und eine freiere Bildsprache entwickelte sich.

Entwicklung der Modefotografie nach dem Zweiten Weltkrieg

Modefotografie Supermodels Naomi Campbell

Die 80er Jahre war die Zeit der Supermodels wie Naomi Campbell. (c) Maclatz / pixelio.de

In den 1960er Jahren entstand mit neuen Models wie Twiggy oder Jean Shrimpton ein junger dynamischer Stil. Die 1970er Jahre wurde geprägt von Fotografen wie Helmut Newton oder Guy Bourdin. Neue gewagte Themen wie Voyeurismus und Pornographie fanden ihren Weg in die Modewelt und mischten die klassische Modefotografie auf. Guy Bourdin inszenierte den weiblichen Körper teils radikal. In Helmut Newtons Arbeit spielen starke, dominierende Frauen eine wichtige Rolle. Die 80er Jahre waren die Jahre der Supermodels. Große Namen wie Naomi Campbell, Claudia Schiffer, oder Linda Evangelista hatten ihre Glanzzeit und wurden in einer ästhetisch schönen Welt inszeniert. Bedeutende Fotografen dieser Zeit waren Peter Lindbergh, Herb Ritts und Bruce Weber. In den 90er Jahren fanden einige Fotografen mit dem „neuen Realismus“ eine neue Stilrichtung. Sie wandten sich ab von der vorherrschenden glatten überästhetischen Modefotografie. Von der alternativen Szene beeinflusst prägten Fotografen wie Juergen Teller oder Wolfgang Tillmans diesen neuen Stil.

Bedeutende Modefotografen

Helmut Newton

Helmut Newton wurde 1920 in Berlin geboren, als Sohn einer wohlhabenden jüdischen Knopffabrikantenfamilie. In den Kriegsjahren verließ er Deutschland 1938 Richtung Singapur und wurde von dort 1940 wegen seiner deutsch-jüdischen Herkunft nach Australien deportiert. Er fing schon in jungen Jahren an, sich für Fotografie zu interessieren. In Melbourne eröffnete er sein erstes Fotostudio. In Paris widmete er sich der Modefotografie und arbeitete er für große Modemagazine wie Vogue, Elle und Queen. Helmut Newton ist einer der erfolgreichsten Fotografen des 20. Jahrhunderts. In den 1970er Jahren entwickelte er sich zu einem der teuersten und begehrtesten Mode-, Werbe-, Porträt- und Aktfotograf der Welt. 2004 starb er im Alter von 83 Jahren bei einem Autounfall in Los Angeles.

Peter Lindbergh

Modefotografie Objektive Fotografen

Viele bekannte Modefotografen begannen ihre Karriere bei der Vogue oder Harper`s Bazaar. (c) Tim Reckmann / pixelio.de

Peter Lindbergh ist ein deutscher Fotograf und Filmemacher. Er wurde 1944 in Lissa, im heutigen Polen, geboren. Er beginnt zunächst an der Kunsthochschule in Krefeld das Studium der freien Malerei und wendet sich aber 1971 der Fotografie, speziell der Modefotografie zu. Ende der 1970er Jahre zog Lindbergh nach Paris und begann dort seine internationale Karriere.


Er fotografierte 1988 das Cover für Anna Wintours erste und legendäre Ausgabe der US-Vogue. Schnell wird er weltweit zu einem bekannten Modefotografen und fotografiert für Magazine wie „Marie Claire“, „New Yorker“, „Vanity Fair“, „Allure“ und Rolling Stone. Darunter fotografiert er zahlreiche Prominente wie Mick Jagger, Nastassia Kinski und Madonna. Er ist bekannt für seine Schwarz-Weiß Fotografien, in denen er Schönheit gekonnt inszeniert, wobei die Menschen in seinen Bildern immer nah und zugänglich wirken. Berühmte Werke von Lindbergh sind Fotografien der Supermodels in den 1990ern, von unter anderem Cindy Crawford, Naomi Campbell und Linda Evangelista.

Tim Walker

Der 1970 geborene Tim Walker ist ein britischer Modefotograf. Als Junge von neun Jahren hält er das erste Mal eine Kamera in der Hand und beginnt alles in seiner Umgebung zu fotografieren. Perfektionistisch arrangiert er stundenlang im Garten seiner Mutter Dinge, wie Äpfel oder Blumen. Über ein Studium gelangt er zur Modefotografie. Er studiert auf dem Art College in Devon und absolviert später ein Praktikum im Condé Nast Verlag. Nach seinem Studium geht er nach New York und assistiert bei Richard Avedon. In den 1990er nach seiner Rückkehr nach London, beginnt er für die Vogue zu fotografieren. Schnell folgen Kampagnen für internationale Ausgaben der Vogue sowie für Harper`s Bazaar und Vanity Fair. Tim Walker ist bekannt für seine märchenhaften surrealen Bilder. Da er nicht digital arbeitet und damit auch mit keinem Bildbearbeitungsprogramm, sind seine Produktionen stets aufwendig inszeniert.

Mario Testino

Mario Testino wurde 1954 in Peru geboren und zog 1976 nach London um Fotografie zu studieren. Er ist einer der wichtigsten Interpreten der Modefotografie. Er arbeitet für alle wichtigen Modemagazine wie Vogue und Vanity Fair. Während seiner Karriere lichtete er zahlreiche Stars ab, darunter Madonna, Julia Roberts, Gwyneth Paltrow und Cameron Diaz. Testino galt als Förderer und Vorkämpfer von Models wie Gisèle Bündchen und Kate Moss. Er arbeitet als Werbefotograf für renommierte Modehäuser wie Dolce & Gabbana, Versace und Gucci. Im Laufe seiner Karriere hat er mehrere Bildbände herausgegeben und seine Werke werden in zahlreichen Einzelausstellungen gezeigt.

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.