Lichtempfindlichkeit bei DSLRs: ISO Werte verstehen und verwenden

Wer als Hobbyfotograf eine Spiegelreflexkamera sein Eigen nennen darf, traut sich oft noch nicht, vom automatischen in den manuellen Modus zu wechseln. Insbesondere Einsteiger belassen es noch gerne bei der Automatik Einstellung, um über verschiedene Programme das ideal belichtete Bild zu bekommen. Je seltener man sich jedoch mit dem manuellen Modus beschäftigt, desto weniger kennt man sich zu den verschiedenen Einstellungen aus, die elementar wichtig für die optimale Belichtung eines Bildes sind. Neben dem Blendenwert, der Verschlusszeit und anderen Einstellungen weiß man auch oft den ISO Wert nicht richtig zu verwenden geschweige denn zu verstehen. Was ist der ISO Wert? Wann nutzt man welche Werte und in welchem Verhältnis steht er mit der Blende und der Verschlusszeit in Verbindung?

ISO Wert verstehen

Um auch manuell den ISO Wert verwenden und individuell einstellen zu können, muss man ihn zunächst einmal verstehen. Bei einer Digitalkamera bzw. Spiegelreflexkamera steht die ISO Empfindlichkeit für die Filmempfindlichkeit bzw. Lichtempfindlichkeit des Bildsensors. Die Empfindlichkeit gibt dabei an, wie viel Licht eine Kamera für eine richtige Belichtung benötigt, d.h. je größer die Zahl des ISO Werts ist, desto höher ist auch die Empfindlichkeit und die damit verbundene größere Fähigkeit Licht zu erfassen. Je nach Höhe des ISO Wertes lässt sich das Bild unterschiedlich stark beleuchten: Bei dunklen Bildern benötigt man einen hohen ISO Wert, bei hellen Bildern einen niedrigen ISO Wert. Die ISO Wert Einstellung kann dabei von Bild zu Bild verändert werden. Je höher man jedoch den ISO Wert für eine Einstellung wählt, desto mehr nimmt das Rauschen in einem Bild zu, was auch mit einem späteren Bildbearbeitungsprogramm nicht entfernt werden könnte.

ISO 80-400: wenig Bildrauschen

ISO 800-6400: viel Bildrauschen

ISO 80-400: hohe Belichtungszeit

ISO 400-6400: kurze Belichtungszeit

Rauschen im Bild

Je höher also der ISO Wert eingestellt und der Bildsensor dadurch verkleinert wird, desto stärker nimmt das Rauschen in einem Bild zu. Handykameras sind hierfür ein gutes Beispiel. Nikon Kameras, Produkte von Canon wie eine Canon EOS 70D oder die neue Pentax K-S1 für Einsteiger versuchen jedoch das Rauschen im Bild zu verringern.
In der Regel fängt ab ISO Wert 400 das Bild an zu Rauschen, indem eine leicht körnige Oberfläche im Bild zu erkennen ist, die bei höheren ISO Werten auch entsprechend verstärkt wird.

Verhältnis von Blende, Verschlusszeit und ISO Wert

Um ein perfekt belichtetes Bild zu erhalten, müssen Blendenwert, Verschlusszeit und der ISO Wert ausgeglichen sein. Was heißt das? Der Blendenwert und die Verschlusszeit beeinflussen die Bildgestaltung, der ISO Wert wiederum den Kamerasensor, wie sensibel dieser ist. Alle Einstellungen können hier individuell verändert werden.

Belichtungszeit

ISO Wert Belichtungszeit Zahlenstrahl

Lange und kurze Belichtungszeit in Sekunden (c) www.photography-ranking.de

Die Belichtungszeit wird in Sekunden angegeben. Dabei sind 1/15 Sek das höchste, was man aus der Hand fotografieren kann ohne dabei zu verwackelt. Sobald die Zeit verändert wird, ändert sich auch die Belichtung selber.

Hinweis: Je größer die Zahl hinter dem Schrägstrich, desto kleiner ist die Zeit, die belichtet wird.

Blende

ISO Wert Blendenstufe Zahlenstrahl

Je kleiner der F-Wert, desto größer die Blendenöffnung (c) www.photography-ranking.de

Je kleiner die Blendenöffnung, d. h. je höher der F-Wert ist, desto schärfer wird das gesamte Bild. Je größer die Blendenöffnung, desto kleiner ist die Blendenstufe. Sobald der Blendenwert erhöht wird, muss auch der ISO Wert erhöht bzw. in diesem Fall verdoppelt werden: Ein typisch niedriger ISO Wert ist beispielsweise der Wert ISO 100. Sobald dieser Wert auf ISO 200 verdoppelt wird, bedeutet das, dass für das Bild nur halb so viel Licht benötigt wird. Der Bildsensor ist also empfindlicher, je größer die ISO Zahl ist. Je kleiner der ISO Wert, desto unempfindlicher der Bildsensor.


Beispiel

Sobald man einen ISO Wert von 100 auf 200 erhöht, kann das Bild mit einer um einen Wert kürzeren Belichtungszeit aufnehmen oder mit einer um einen Wert verkleinerten Blendenöffnung:

    Also:

  • ISO 100 > ISO 200 = – 1x Belichtungszeit
  • ISO 100 > ISO 200 = – 1x Blendenöffnung

Wenn der ISO Wert verdoppelt wird, halbiert sich für eine geeignete Belichtung die notwendige Lichtmenge, die auf den Bildsensor fällt.


ISO Wert verwenden

Um den ISO Wert in bestimmten Aufnahmesituationen richtig einzustellen, bedarf es einer richtigen Verwendung. Mithilfe eines Fotokurses oder durch regelmäßiges und selbstständiges Üben kann man schon bald zu überraschenden Ergebnissen erlangen. Grundsätzlich gilt dabei: Learning by doing!

ISO Wert Empfindlichkeit Aufnahmesituation Tabelle

Wann verwende ich welche ISO Werte? (c) www.photography-ranking.de


Dunkle Lichtverhältnisse

Die Belichtungszeit verlängert sich oftmals bei dunklen Lichtverhältnissen, was leider zu Kameraverwacklungen und Bildunschärfen führen kann. Um diese Unschärfen zu reduzieren, kann die Belichtungszeit verkürzt werden, indem die ISO Lichtempfindlichkeit erhöht wird.

Kurzzeitbelichtung für schnelle Bewegungen und Schnappschüssen

Bei schnellen Bewegungen muss eine kurze Belichtungszeit eingestellt werden, wie beispielsweise 1/400 Sek. Wenn das Licht dabei nicht ausreicht, muss die Blende auf das Maximum geöffnet werden, damit so viel Licht wie möglich auf den Sensor trifft. Der Wert der Blende F ist dabei so klein wie möglich. Hier liegt der ISO Wert in der Regel zwischen 400 und 6400.
Für Tierfotografie, wie beispielsweise bei einem Vogel im Landeanflug, eignet sich eine kurze Belichtungszeit besonders gut.

Langzeitbelichtung für das Aufzeigen von Bewegungsabläufen

ISO Wert Langzeitbelichtung Kolibri

Langzeitbelichtung eines fliegenden Kolibris (c) iStock.com / freebilly

Für eine Langzeitbelichtung dagegen sollte die Einstellung BULB, wie sie in vielen Kameras zur Verfügung steht, oder 1/30 eingestellt werden. Auch 1/6 mit einer geschlossenen Blende bzw. einer möglichst kleinen Blendenöffnung eignet sich ebenfalls gut für Langzeitbelichtungen. Dies variiert natürlich je nach ISO Wert. Zwischen 80 und 400 findet eine hohe Belichtungszeit mit wenig Rauschen statt.
Ein Gegenbeispiel zur Kurzzeitbelichtung: Für einen Kolibri im Flug um das Schlagen der Flügel zu sehen eignet sich eine Langzeitbelichtung.

Tiefenschärfe für Landschaftsfotografie

Um speziell bei Landschaftsaufnahmen eine Tiefenschärfe im Hintergrund erzeugen zu können, muss die Blende so klein wie möglich gewählt werden, damit der Hintergrund umso schärfer wird. Eine gute Einstellung für die Blende bei Landschaftsfotografie ist beispielsweise F11: die Landschaft bzw. der Hintergrund werden so ausreichend scharf dargestellt. Ab einer Blende von 11-14 werden manche Objekte jedoch wieder unscharf.

ISO Wert unscharfer Hintergrund Mädchen

Kleinsten Blendenwert wählen für unscharfe Hintergründe (c) iStock.com/4774344sean

Tiefenschärfe bei Nahaufnahmen lässt sich aber auch über Makrofotografie ermöglichen, wofür spezielle Objektive oder Makro-Zwischenringe benötigt werden.

Unscharfe Hintergründe bei Profilaufnahmen einer Person

Um von Personen eine Profilaufnahme mit unscharfem Hintergrund erstellen zu können, muss man dafür so nah wie möglich an das Motiv herangehen und dabei den kleinsten Blendenwert einstellen. Dadurch wird die Blende soweit wie möglich geöffnet, sodass der Hintergrund automatisch unscharf und das Motiv im Vordergrund scharf wird. Portraitfotografie Tipps helfen zusätzlich, eine Person im Bild richtig in Szene zu setzen.

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