Die Blende: Das richtige Werkzeug für Schärfe oder Unschärfe

Mit der Blende bezeichnet man in der Regel eine mechanische Einrichtung an Kameras, mit welcher man die Lichtdurchlässigkeit durch das Objektiv variieren kann. Oft ist sie in Lamellenform ausgeführt. Hier verschieben sich kreisförmig angeordnete Lamellenbleche so ineinander, dass der Lichtdurchlass größer oder kleiner wird. Folglich wird auch das einfallende Lichtbündel kleiner oder größer. So ist steuerbar, wie viel Licht auf den Bildsensor fallen soll. Dieser benötigt eine spezielle Lichtmenge, um ein Bild erfassen zu können, sodass es hier auf die Art und Weise der Belichtung ankommt: Bei einer Überbelichtung wird das Foto zu hell, es ist also zu viel Licht auf den Bildsensor getroffen. Bei einer Unterbelichtung hingegen ist das Foto zu dunkel, es ist folglich zu wenig Licht eingefallen.

Die Blendenzahlen und ihre Werte

Blende Kamera Objektiv

Mit der Blende lässt sich die Lichtdurchlässigkeit durch das Objektiv variieren (c) iStock.com / bereta

Bei mechanischen Kameras wird am Objektivring die Blendenzahl angegeben. Sie resultiert aus der Beziehung der Brennweite zur Öffnungsweite des Objektivs. Dabei entspricht die Lichtintensität des Objektivs dem Kehrwert der kleinsten Zahl. Liegt ein Objektiv mit einer Brennweite von 50 mm und einer Blendenzahl von 1:1,4 vor, wird man im allgemeinen Sprachgebrauch von einer „Blende 1,4“ sprechen. Die richtige Schreibweise wäre f/1,4. Wird sie maximal geöffnet, muss sie in diesem Fall auf die Zahl 1,4 geöffnet werden. Der auf dem Objektiv angegebene Blendenwert f/1,4 bezeichnet den Wert, welche Lichtmenge maximal durch das Kameraobjektiv einfallen kann.

Die Blendenreihe

Damit ist die Gesamtheit aller für ein Objektiv möglichen Blendeneinstellungen gemeint. Diese sind von der größten bis zur kleinsten Öffnung geordnet. Die Zahlen der Reihe verdoppeln bzw. halbieren sich im Wechsel. Die 2 wird zu 4, zu 8, usw. Bei jeder Änderung um einen vollen Wert halbiert oder verdoppelt sich die Lichtmenge. Das Schließen um einen vollen Wert hat eine Halbierung der Lichtmenge zur Folge. Ein Öffnen um einen Wert erzeugt eine Verdoppelung der Belichtung.

Blende Lichtdurchlässigkeit Blendenreihe

Bei jeder Änderung um einen vollen Wert halbiert/ verdoppelt sich die Lichtmenge (c) www.photography-ranking.de


Wie kommt es zu halben und drittel Blendenstufen?

An vielen manuellen Objektiven ist es möglich neben den ganzen auch halbe Blendenstufen einzustellen. Viele neue Kameramodelle und Objektive bieten darüber hinaus die Option die Blende in drittel Blendenstufen zu wählen. Diese werden über das Einstellrad oder eine Wählscheibe eingegeben und schließlich auf elektronischem Wege an das Objektiv vermittelt.

Bewusstes Erzeugen von Schärfe oder Unschärfe

Blende Schmetterling Unschärfe

Die individuelle Einstellung der Blende kann bewusst Schärfe und Unschärfe erzeugen (c) iStock.com / JLFCapture

Das Objektiv einer Kamera kann lediglich auf eine Entfernung scharf gestellt werden. Alle Dinge, die sich vor oder hinter dem Fokus befinden, erscheinen dabei – wie bei einer Makrofotografie – mehr oder weniger unscharf, je nachdem wie weit sie von diesem entfernt sind. Der Bereich der Schärfe wächst, wenn man die die Blende weiter schließt. Aufgrund der Wellenoptik kommt es ab einer bestimmten Blendenöffnung zur Lichtbeugung. Dadurch werden kleine Beugungsscheibchen sichtbar und die Schärfe nimmt wieder ab. Die Blende beeinflusst auch die Schärfentiefe. Ist die Blendenzahl hoch, erhält man eine hohe Schärfentiefe bei gleichzeitig kleinerer Öffnung. Ist die Zahl dagegen kleiner, wird die Schärfentiefe geringer, die Öffnung aber dementsprechend größer.

Die Blende – ein wichtiges Gestaltungsmittel

Die Größe des Entfernungsbereichs, in dem ein Motiv scharf im Abbild der Kameraoptik erscheint, wird anhand der Schärfentiefe beschrieben. Durch das Wählen einer kleinen Öffnung oder aber durch Objektive mit kurzen Brennweiten, wird eine hohe Schärfentiefe erzeugt. Als Ergebnis wirken Vorder- und Hintergrund im Foto gleich scharf oder unscharf. Soll die Konzentration bzw. das Auge hingegen auf ein ganz bestimmtes Motiv im Foto gelenkt werden, ist eine geringere Schärfentiefe zu wählen. Durch den entstehenden „Film-Look“ erscheint das zentrale Motiv scharf, während der übrige Bereich verschwommen und unscharf wirkt. Tief bedeutet in diesem Zusammenhang immer die Bewegung weg von der Optik, also die Tiefe des Raums. Eine geringe Schärfentiefe macht es möglich Geschichten zu erzählen. Der Betrachter konzentriert sich auf eine einzelne Information im Foto.


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